Inkaweg
QUECHUA-GEMEINSCHAFTEN VON PATACANCHA und OLLANTAYTAMBO
Ollantaytambo & Patacancha-Tal

   

Jeder der nachstehend als Tagesausflug beschriebene Besuch kann auch als halb- tägiger Ausflug organisiert werden..

Oberhalb des Dorfes Ollantaytambo, in einem weiten Tal neben dem Fluss Patacancha befindet sich die Quechua-Gemeinschaft von Patacancha. Sie ist eine einzigartig ethnische Gemeinschaft und die “Wayruros,” sind Landwirte, Weber und Hirten, die als direkte Nachkommen der letzten Inkas von Cusco angesehen werden.

Wir fahren frühmorgens los und auf einer Höhe von ungefähr 12'400 Fuss erreichen wir das Dorf. Schon bald bemerken wir den Unterschied zwischen dieser Gemeinschaft und anderen Dörfern im Heiligen Tal, die nicht so hoch liegen. Hier sind die Häuser nicht aus Lehmziegeln gebaut sondern aus Stein, Fenster fehlen. Der Grund dafür: Die ganze Familie arbeitet viele Stunden am Tag auf dem Feld und das Haus ist der Ort, wo man Zuflucht sucht und schläft. Wir können auch feststellen, dass hier nicht Mais angebaut wird, sondern andere Gemüsearten, die sich besser für diese Höhen eignen (z.B. die Kartoffel, der Tarwi – Andenlupine - und die Saubohnen. Wir werden die öffentliche Schule César Tupacyupanqui besuchen, die kürzlich aus Spenden von Wohltätigkeitsorganisationen erbaut wurde. Wir können sogar einige Worte Quechua lernen und das Gelernte mit den Leuten, die wir treffen, anwenden. Die Bewohner tragen Kleider in intensiven Farben: Die Frauen tragen die typischen Indianerröcke in oranger und schwarzer Farbe und rosafarbene oder rote Blusen und Schäle. Die Männer tragen bunte Ponchos in rot, orange, schwarz und rosa. Viele von ihnen arbeiten als Träger auf dem Inkaweg und kommen auf diese Weise zu einem zusätzlichen Einkommen. Die Frauen und Mädchen haben eine kleine Spindel mit Wolle, die Puska, in einer Hand und bewegen sie rasch mit der anderen. Auf diese Weise spinnen und stricken sie wohin sie auch gehen. Immer wieder stellen sie Neues für den Eigengebrauch oder zum Verkauf her. Wenn wir das Dorf an einem Sonntag besuchen, sehen wir uns zuerst den Wochenmarkt an. Er zieht Gemeinschaften aus dem ganzen Tal an, die Produkte wie Strickereien, Saubohnen, Kartoffeln und Quinua tauschen, aber auch um zu essen, zu trinken und sich zu vergnügen.

Es gibt verschiedene Optionen für unseren Abstieg zum Dorf Ollantaytambo, das ungefähr 14 km entfernt liegt: Wir können ein Fahrzeug nehmen (40 Minuten), zu Fuss gehen (4-5 Stunden) oder mit dem Fahrrad fahren (2,5 Stunden). Für welche Variante sie sich auch entscheiden, es ist ein bezaubernder Ausflug. Auf einer Naturstrasse fahren sie vorbei an grünen Abhängen mit Wasserfällen, Inka-Terrassen, Bächen und kleinen Dörfern und ab und zu an Viehherden. Immer wieder werden wir Männer, Frauen und Kinder sehen, die auf dem Feld arbeiten und in tiefer gelegenen Dörfern finden wir überall Lehmziegel, die an der Sonne zum Trocknen ausgelegt sind. Wir kommen auch an Marca Cocha vorbei, einem breiten Tal, das von einem Fluss durchzogen wird, wo Archäologen Beweise landwirtschaftlicher Tätigkeit in den Jahren 3000 bis 4000 v. Chr. gefunden haben. Ein interessanter Ausflug ist der einstündige Aufstieg zu den Inka-Ruinen von Pumamarca (Dorf des Pumas), die auf einem hohen Absatz mit Blick auf das Tal liegen. Es handelt sich um eine weitläufige Anlage, die von festungsartigen Wänden umgeben ist. Sein Pirqa (grober Baustil) und seine Colqas (Speicher) lassen darauf schliessen, dass sie nützlichen Zwecken wie z.B. als Zufluchtsort für das Vieh und der Lagerung der Ernten diente oder ein administratives Zentrum war, um die Landwirtschaft im Tal zu beaufsichtigen.

Wir machen ein Picknick im Dorf von Ollantaytambo und essen unseren Box Lunch. Nach dem Mittagessen erkunden wir die nahe Umgebung. Das Dorf wurde im 15. Jahrhundert gegründet und bis heute ist der Original-Inkagrundriss erkennbar. In diesem Sinne ist Ollantaytambo ein einzigartiges Dorf in Peru. Der Grundriss ist trapezförmig und unterteilt sich in unzählige Canchas, rechteckige Höfe, die von Häusern umgeben sind. Wir besuchen auch die berühmten Inkaruinen, die in den Berg über dem Dorf gebaut wurden. Es existieren viele Legenden über diese Ruinen: Einige erzählen, dass sie das Tambo oder die Residenz des Ollantay, eines lokalen Kaziken gewesen sind, der sich in die Tochter des grossen Inka Pachacuteq verliebte. Andere erzählen, dass es der Besitz der Panaca oder königlichen Familie von Pachacuteq gewesen sei. Wiederum andere glauben, dass das Tambo Sitz eines Prä-Inka-Stammes war, der in dieser Region ansässig war. Ollantaytambo war sehr wahrscheinlich das Szenarium der entscheidenden Schlacht zwischen den Spaniern und dem Inka Manco, der sie besiegte und sich nachher in seine Festung Vilcabamba im Dschungel zurückzog, wo er 37 Jahre blieb.

Sicher ist, dass die Anlage keine Festung war, sondern ein landwirtschaftliches, religiöses und administratives Zentrum. Am Berghang findet man grosse gebogene Terrassen und auf der linken Seite stehen die wichtigsten religiösen Bauten, einschliesslich der berühmte unvollendete Sonnentempel, der aus riesigen Rhyolit-Platten gehauen wurde, die vom Berg gegenüber der Anlage stammen. Die Platten mussten zuerst den Berg hinunter, dann durch das Tal und schliesslich nach Ollantaytambo hoch transportiert werden, eine Leistung, die grosse Rätsel aufgibt. Die Anlage hat auch schöne Bäder, ein "Tempel des Kondors", zahlreiche Felsen und Steine mit Vertiefungen und Einkerbungen, die astronomischen Beobachtungen gedient haben können. Das Bemerkenswerteste ist aber eine vertikale Felswand mit kleinen Absätzen, die eine Sonnenuhr darstellen und die Sonnenwende von Dezember und den Zenit der Sonne angeben soll. Sicherlich hatte ganz Ollantaytambo eine astronomische Funktion. Man sagt, dass die Anlage die Form eines Lamas hat und es oben im Berg einen Felsraum gibt, der "Auge des Lamas" genannt wird und der die ersten Strahlen der Sonnenwende einfängt.

Der andere bemerkenswerte Aspekt der Anlage von Ollantaytambo ist, dass es sich um eine unvollendete Anlage handelt. Wir werden die "Rampe" besuchen, die zum Sonnentempel führt, wo Rhyolit-Platten entdeckt wurden. Dies lässt darauf schliessen, dass die Arbeiten plötzlich abgebrochen werden mussten. Die Theorien, welche diesen Abbruch zu erklären versuchen, gehen von der Ankunft der Spanier über einen Bürgerkrieg der Inkas bis hin zum Tod des Herrschers Pachacuteq. Welcher auch immer der Grund war, diese überraschenden Bauten von historischer Bedeutung sind ein Beweis für die grossartige Kunst und Innovation der Inkas.