45 Minuten von Urubamba entfernt,
am Ende des Heiligen Tales, befindet sich Pisaq. Das Dorf ist bekannt
für seine Inka-Ruinen und für seinen farbenprächtigen
Kunsthandwerksmarkt. Die Inkaruinen stammen aus dem 14. Jahrhundert
(möglicherweise früher) und liegen etwas erhöht auf
den roten Felsen des Berges. Das Dorf wurde in der zweiten Hälfte
des 15. Jahrhunderts gegründet und befindet sich unterhalb
der Ruinen. Normalerweise planen wir diesen Ausflug am Dienstag,
Donnerstag oder Sonntag, an den “Markttagen”
des Dorfes.
Wir fahren morgens um 8 Uhr los
durch die kleinen Dörfer und vorbei an grünen Mais- und
Kürbisfeldern nach Pisaq. Vom Dorf fahren wir weiter bis zur
Ruinen-Anlage hoch. Während der Fahrt wird der Ausblick auf
das Tal immer beeindruckender: unterschiedliche Grüntöne
mit der glitzernden Linie des Urubamba-Flusses und den typischen,
am Berghang angelegten Terrassen.
Wie der größte Teil der Inkastädte war Pisaq kein
Ort zum Wohnen. Die Leute wohnten weiter oben in den Bergen und
kamen nach Pisaq um zu arbeiten, da ihre Arbeit eine Form der Steuerentrichtung
war. Pisaq war hauptsächlich ein administratives, politisches,
religiöses und landwirtschaftliches Zentrum. Den Beweis dafür
finden wir überall: Viereckige Grundrisse mit Wänden aus
groben Steinen und Mörtel, welche sehr wahrscheinlich Schlafräume
für die Arbeiter waren. Beeindruckende Terrassen, die bogenförmig
an den Berghang angelegt sind und auf denen unter anderem mindestens
18 verschiedene Maissorten angebaut wurden. Die Überreste der
Kornspeicher, wo die Ernten gelagert wurden, hatten laut Erzählungen
einen Vorrat, der das Volk über Jahre hinweg ernähren
konnte. Wir können auch die Friedhöfe der Inkas besichtigen
– Höhlen in einer Felswand gegenüber den Kornspeichern,
wo mehr als 3000 Personen über dem Boden begraben wurden. Schließlich
steigen wir über eine Felstreppe hinab und besichtigen das
religiöse Zentrum von Pisaq - eine Gruppe von Bauten auf einem
großen Felsen, der über das Tal ragt. Es ist jener Felsen,
der Erzählungen zu folge Pisaq seinen Namen gibt. Er ähnelt
einem Rebhuhn oder "p’isaq" in Quechua.
Wir sehen auch den Intiwantana, eine riesige Sonnenuhr
aus schwarzem Stein mit einem kleinen Vorsprung, wo früher
eine hohe Säule stand. Die Inkas waren große Astronomen
und einige ihrer Anlagen besitzen eine Art System zur Beobachtung
des Himmels, mit dessen Hilfe sie Jahreszeiten, Positionen der Sonne
und des Mondes berechneten und auf diese Weise die besten Zeiten
für die Aussaaten und Ernten festlegten.
Wenn wir den Sonnentempel betreten,
sehen wir, dass sämtliche Mauern der Gebäude in diesem
religiösen Teil aus großen, fein geschliffenen Steinen
bestehen. Wie konnten diese Mauern so perfekt gebaut werden und
was hält die Steine zusammen? Dies bleibt noch immer ein Geheimnis.
In diesem Tempel verweilen wir einige Minuten und können das
Mystische spüren: wir hören Windstösse über
uns, das dumpfe Gurgeln des Flusses in der Tiefe und in der Nähe
das sanfte Plätschern des Wassers über eine Reihe von
Steinbecken.
Wir verlassen die Anlage und wandern
auf einem steilen Weg ins Tal. Die einstündige Wanderung bietet
überraschende Ausblicke auf die Terrassen und das Tal (wenn
sie nicht zu Fuß gehen wollen, gibt es einen kürzeren
Weg zum Parkplatz, von wo sie ins Tal gefahren werden). Sobald wir
das Dorf von Pisaq erreichen, können wir den Markt sehen. Auf
dem Hauptplatz unter einem riesigen Baum, dem Pisonay (eritrina
falcata), stehen Reihe um Reihe Stände mit Verkäufern.
In den ersten Reihen findet der lokale "Indianermarkt"
statt, wo Nahrungsmittel wie Früchte und Gemüse verkauft
werden. Dort sehen sie Bewohner der nahen Dörfer und Bauern,
die Quechua sprechen und weiter oben in den Bergen leben. Sie tragen
Ponchos mit rosafarbenen oder roten Streifen und ihre Kinder und
Frauen haben oft Blumen im Haar. In der Reihe der Essstände
servieren kleine robuste Frauen mit langen schwarzen Zöpfen
und Hut dampfendes Essen. Die lokalen Spezialitäten sind Rocoto
relleno (gefüllte Pfefferschote), Seco de Cordero
(geschmortes Schaffleisch) und Bohnen.
Falls wir am Sonntag ungefähr
um 11 Uhr vormittags dort sind, sehen wir, wie sich die Bauern-Familien
auf der Treppe der alten katholischen Kirche zum in Quechua gehaltenen
Gottesdienst versammeln. Im Innern der Kirche erkennt man Einflüsse
der Quechua-Indianer und des Christentums: die Wände sind mit
rosaroten und violetten Malereien verziert und zeigen Szenen aus
dem Leben von Christus, während Wörter in Quechua die
Götter der Inkas wie den Hana Pacha (Himmel) anrufen.
Später spazieren wir durch
die Kunsthandwerkstände, welche den größeren und
touristischen Teil des Marktes ausmachen.
Dort gibt es eine erstaunliche Vielfalt an Souvenirs zu kaufen:
Schals, Ponchos, Teppiche, Wollpullover, Ringe, Kunsthandwerk, Schmuck,
handgemachte Taschen, Steinstatuen, Keramik, Kerzen und vieles mehr.
Für das Mittagessen haben wir für sie drei Alternativen
bereit: Rückfahrt ins Hotel Sol & Luna, wo sie sich am
reichhaltigen Buffet, bedienen können,
mitgebrachter Box Lunch für das Picknick,
um mehr Zeit auf dem Marktplatz verbringen zu können oder ein
besonderes Mittagessen in einer kolonialen
Villa von Pisaq.
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